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Nach endlosen Bewerbungsformalitäten war es endlich klar, dass ich ab Ende August 2002 für ganze zwei Semester nach Galway in Irland gehen konnte. Galway liegt, wie Ihr an der Karte sehen könnt, an der Westküste Irlands. Hier an der National University of Ireland, Galway (NUIG) gefällt es mir sehr gut. Hier gibt es den Leitfaden des "Büros für internationale Beziehungen" zum download © Michl + Heiko Hier findet Ihr noch ein paar Bilder bei Flickr. Hier geht es gleich zur zweiten Seite des Tagebuchs. Hier geht es gleich zur dritten Seite des Tagebuchs. Hier geht es gleich zur letzten Seite des Tagebuchs. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Jetzt aber zum Tagebuch, das immer mal wieder aktualisiert wird: 16.08. Nach großer Vorbereitungszeit sollte es dann doch auf ein Mal losgehen. Die Miniwohnung in Nürnberg war ausgeräumt, das Auto mit Krimskrams, Kleidung, Computer und Fahrrad vollgepackt. Die letzten Tage waren schon etwas stressig - die Unsicherheit, das Packen und das viele Verabschieden. Etwas mulmig war mir schon zumute, sollte doch noch ein Zimmer in Galway gefunden werden. Doch zunächst war das Ziel der Ludwigstein, ein netter Abend mit einigen Ex-Zivis stand auf dem Programm. 17.08. Mit etwas Kopfschmerzen ging es weiter, in Eschwege stand ja die Hochzeit von Kai und Magda an. Es wird ein sehr, sehr schöner Tag mit einer gelungenen Hochzeit. Schweren Herzens musste ich mich schon recht früh verabschieden, ein paar Stunden Schlaf sollten ja doch sein. 18.08. Viele hatten mich gewarnt, dass es bis nach Calais doch sehr weit sei und so folgte nach einer kurzen Nacht die lange Reise zum Kanal. Da ich auf der deutschen Autobahn doch recht schnell unterwegs war, kam ich in Calais schließlich schon um 14.00 Uhr an. So konnte ich noch ein wenig vor mich hin dösen, bevor es auf die Fähre ging. Danach sollte es also auf der linken Fahrbahn weitergehen. Das war zunächst nicht allzu schwierig, ging es doch Richtung London auf einer Autobahn entlang. Bis kurz vor die Millionenstadt schaffte ich es noch, dann ließ ich mich auf einen Autobahnparkplatz nieder. Dort forderte mich ein Schild auf, 6 Pfund zu zahlen, sollte ich mehr als 2 Stunden hier parken. Da es schon dunkel war, beschloss ich, das Schild zu übersehen. 19.08. Die Nacht wurde auf den beiden Vordersitzen meines Autos verbracht, was die Schlafqualität stark senkte. Weiter ging es mit Kilometerfressen, bis zum Westende von Wales, genauer nach Holyhead. Auch dort kam ich etwa 2 Stunden zu früh an, daher eine Pause auf dem Parkplatz des dortigen Lidl. Mit dem Katamaran ging es dann fix nach Dublin. Eine teuflische Stadt, in der ich durch mehrfaches Verfahren etwa 1,5 Stunden mein Auto sinnlos bewegte. Daher kam ich auch erst gegen 22.00 Uhr in Galway an. Ich gönnte mir ein Drei-Sterne-Hotel, um mich endlich mal wieder richtig zu duschen und nach drei Nächten endlich mal wieder in einem richtigen Bett schlafen zu können. 20.08. Ein frustrierender Tag. Zunächst ging es Richtung Uni, da im dem Accomodation Office eine Liste mit freien Wohnungen aushing. Die Anfragen verliefen allerdings wenig erfolgreich, da die Liste noch vom Vortag stammte und schon alles vergeben war. Bei einer Adresse hatte ich allerdings Glück. Zum vereinbarten Zeitpunkt war ich dort. Ein schönes Zimmer im Haus mit Blick auf die Stadt und die Bucht. Natürlich wollte ich es gleich mieten, musste allerdings noch die Kaution vom nächsten Geldautomaten holen. Als ich nach 10 Minuten wieder zurückkam, saßen bereits zwei andere im Haus und unterschrieben gerade für die letzten freien Zimmer. Scheiße! Aus lauter Frust nahm ich mir ein B&B für die nächsten drei Nächte - irgendwo musste ich ja schlafen. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| 21.08. Weiter ging die Suche mit der ständig aktualisierten Liste des Accomodation Office, leider mit wenig Erfolg. Allerdings gab es auch eine Liste von der lokalen Zeitung, auf der viele Angebote standen und die für 2 um 14.00 Uhr zu erwerben war. Um 11.00 Uhr ging ich zufällig vorbei und erblickte bereits eine Schlange von etwa 70 Studenten. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Also stellte ich mich hinten an, um auf die Liste zu warten. Langsam wurde mir bewusst, wie blauäugig ich an die Wohnungssuche herangegangen war. Jedes Jahr suchen etwa 12.000 Studenten in einer 80.000 Einwohnerstadt eine Bleibe. In der Zwischenzeit wuchs die Schlange bis um den gesamten Block und ich wurde auch von der Lokalpresse interviewt. Auch wurde an die Wartenden viele Zettel verteilt. Darunter ein Werbeblatt für ein neues Wohnheim. Vor zwei Tagen hatte ich es noch abgelehnt, in dieses Wohnheim zu ziehen, da es keine Einzelzimmer mehr hatte. Völlig gefrustet und mit der Stimmung auf dem Nullpunkt rief ich dann doch dort an. Eigentlich war ich extra früh nach Galway gekommen, um mir ein Zimmer zu suchen, da dort die Regeln nicht so streng wie im Wohnheim waren (keine Übernachtungsgäste, keine Partys, keinen Wandschmuck,...). So fuhr ich zum Wohnheim. Der Vertrag brauchte noch die Unterschrift eines Garanten, da musste also das Fax meiner Eltern herhalten. Das Wohnheim war allerdings so neu, dass es noch gar nicht bezugsfertig war. Ich konnte erst am 06.09. einziehen - ein neues Problem! Doch im Herzen sehr erleichtert, beschloss ich, die nächsten zwei Wochen auf dem Campingplatz zu verbringen. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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22.08. Noch konnte ich zwei Nächte im B&B genießen. Am nächsten Morgen ging es wesentlich entspannter ein wenig shoppen: irische Mobil-Karte, Iso-Matte, Zelt, Straßenkarte etc. Auch eine Ausgabe des Galway Advertisers wurde besorgt, das Interview sollte ja abgedruckt werden. Und ich stand dann wirklich drin! 23.08. Jetzt war ich also am Campingplatz. Allerdings wäre ich fast im irischen Verteidigungsministerium gelandet, die hätten mich vielleicht auch ein paar Tage unterbringen können. Schließlich ward der Platz dann doch gefunden. Ein recht guter Platz mit Küche, Aufenthaltsraum und Waschmaschinen. Der Platz lag direkt am Meer, allerdings etwa 4 Kilometer vom Stadtkern entfernt. Die Besitzerin ist etwas skeptisch, will mich zunächst nur für eine Woche dabehalten. Wir werden sehen... Den Tag verbringe ich in der Stadt. Dort finde ich einen riesigen Buchladen, der vor allem Secondhand-Bücher verkauft. Alle Fälle von Sherlock Holmes und zwei Bücher von John Grisham - eine gute Mischung, um mein Englisch wieder auf Vordermann zu bringen. |
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24.08. Der verregnete Tag wird mit Lesen und Cider verbracht. 25.08. Endlich finde ich Zeit für einige längere Telefonate in die Heimat und Galway wird von mir touristisch erobert. So werden auch gleich die ersten Karten geschrieben. Ich habe mir angewöhnt, abwechselnd die SZ und eine irische Zeitung zu kaufen. Daher erfahre ich vom ersten Duell Stoiber-Schröder. Es wird wohl Zeit für die Briefwahlunterlagen, allerdings habe ich ja noch keine Anschrift hier in Irland. Die nächsten Tage verlaufen ähnlich: Lesen, Karten schreiben, Kino, Stadtrundfahrt, Dampferfahrt auf dem River Corrib, traditioneller Markt, Uni-Besichtigung, ... Das Wetter war recht gut, nur 2 oder 3 Tage Dauerregen. 04.09. Der Michl ist mit seiner Freundin da. Der Mitstudent aus Nürnberg hat sich schon frühzeitig um einen Wohnheimsplatz gekümmert, kommt daher erst jetzt aus Bayern hierher. Gemeinsam wird jetzt auch ein wenig das Nachtleben dieser jungen Stadt erkundet. In der Nacht geht noch mein Auspuff kaputt. 05.09. Zu dritt wird gleich ein Tagesausflug gemacht. An der Küste geht es bis Clifden entlang, zurück dann durch die Connemara Berge. 06.09. Der ganztägige Orientation Day für die ausländischen Studenten. Eine Vielzahl von Leuten erzählt uns alles un- und mögliche. Am Ende ist man aber schon etwas schlauer und der anschließende Empfang spendiert uns noch einige Gläser kostenlosen Wein. In der Mittagspause bin ich noch schnell ins Wohnheim eingezogen, das nun doch einigermaßen fertig war. 07.09. Nach einigem Suchen habe ich eine Werkstatt für meinen Auspuff gefunden. Mit einigen Euros weniger gehts zur Stadtführung für uns ausländische Studenten. Allerdings kenne ich das meiste schon, immerhin bin ich ja schon knapp drei Wochen hier. Der Nachmittag wurde im Pub verbracht, um sich das Fußballspiel Russland gegen Irland (4:2) anzuschauen. 08.09. Unser Wohnheim ist noch nicht ganz fertig. Dinge, die noch nicht funktionieren: Waschmaschine, Herd, Ofen, Staubsauger, Telefon, Balkontür, Mikrowelle, Internet, Fernseher, ... Am Abend kommt schon mein erster Besuch, Birgit aus Rummelsberg. 09.09. Heute ist schon der erste Tag an der Uni, daher habe ich leider für Birgit tagsüber kaum Zeit. Nach einigem Überlegen stehen meine Kurse aus den Bereichen BWL, Politik, Soziologie. Um die Anerkennung der letzten beiden Bereiche muss ich mich noch kümmern. Heute war auch die offizielle Einschreibung und so kann ich nun endlich meine Emails an der Uni lesen, muss also nicht mehr ins teure Internet-Café. In der ersten Uni-Woche werden verschiedene Pubs in wechselnder Besetzung unsicher gemacht: Birgit, Michl, Juls (meine Mitbewohnerin im Apartment) und andere deutsche Studenten. 13.09. Heute flog Birgit wieder zurück. Leider konnten wir tagsüber nichts gemeinsam unternehmen, da ich doch zumindest am Anfang meine Kurse an der Uni besuchen will. Außerdem musste sie sich ein Hostel-Bett mieten, da bei mir Übernachtung ja nicht gestattet ist. Das hätte mich nun nicht so gestört, wären da nicht täglich Handwerker und Kontrollen im Apartment. Aber langsam funktioniert alles, bis aufs Telefon und Internet. 14.09. Heute ist das zweite Bett in meinem Zimmer besetzt worden. Es ist Kail aus Chikago. Gott sei Dank schon etwas älter, außerdem macht er seinen Master in Business. Später wird sicher herausstellen, dass er etwas andere Ansichten hat, was einen Angriff auf den Irak und die Politik von Israel betrifft. 15.09. Und schon wieder ein Ausflug, diesmal mit 12 anderen deutschen Studenten. Zunächst wird ein wenig zum Strand gewandert, dann sieht man noch kurz den Connemara Nationalpark. Der Abend geht erst spät im Cuba" zu Ende. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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16.09. Der Ami ist mitten in der Nacht wieder ausgezogen. Seine Heimatuni hatte ihm zwar zugesichert, dass er einen Platz hier in Galway hat, hier bei der Registrierung war dies aber keinem bekannt. Er ist wohl wieder in den Staaten. Somit ist ziemlich sicher, dass Juls und ich zumindest für ein Semester ein Fünf-Mann-Apartment ganz für uns alleine haben werden. 18.09. Ein Flitzer ist schuld, dass eine Vorlesung nicht stattfand. Gerade hatte die Vorlesung angefangen, als der Nackige durch den Hörsaal flitzte, einen Purzelbaum schlug in wieder davonlief. Der ganze Saal grölte und applaudierte, nur die Referentin war so geschockt, dass die Vorlesung abgebrochen wurde. 20.09. Auf zur Dorf-Party. Ein Fußballklub etwa 15 km außerhalb Galways feiert in einer Scheune. Für die 10 Eintritt ist das Essen frei. Es ist schön zu sehen, wie hier alle Generationen noch zusammen Spaß haben können. Zunächst heizt uns eine sehr, sehr gute Coverband ein, danach wirds traditionell. Erst gegen 3.00 am geht es wieder Richtung Galway. 22.09. Heute ist Bundestagswahl und meine Briefwahlunterlagen sind hoffentlich in Ingolstadt. Wieder mit drei Autos geht es diesmal in die Burren und zu den Cliffs of Moher. Auch wird noch eine Höhle besichtigt, für die 20 min Führung werden stolze 6 (Studentenermäßigung) verlangt. Ihr seht, wie mir das Geld wie Sand durch die Hände rieselt. Um 6pm liegt die Union angeblich vorne, also schnell noch etwas trinken gehn. Später am Abend wird alles gut und die Koaltition kann weiterregieren. 25.09. Beim Club- und Society-Day schreibe ich mich für insgesamt drei Sachen ein: Mountaineering, International Students und NUIG Greens. 26.09. Heute bekommen Juls und ich Besuch, etwa 6 dt. Studenten. Mein "Neue-Welt-Chilli" wird mal wieder serviert und obwohl der versprochene Film nicht im TV kommt, haben wir doch ein wenig Spaß. 28.09. Party im gemieteten Haus einiger deutscher Studenten. Bis 22.00 Uhr ist fast nichts los, allerdings beschwert sich schon die erst Nachbarin. Auf einmal sind etwa 40 Leute da - gute Stimmung und alle haben Spaß. Doch um 1.00 ist auf einmal der (angetrunkene) Vermieter da und schmeißt alle raus. Auch die Mieter müssen innerhalb einer Woche ausziehen. Später, als alle wieder nüchtern sind, wird die Kündigung in ein Partyverbot umgewandelt. 30.09. Der Englisch-Kurs geht endlich richtig los und laut Test gehöre ich in die Gruppe "Advanced 1". 01.10. Das erste Treffen der "International Students Society". Bis 1.00 Uhr nachts wird Völkerverständigung geübt. 03.10. Statt Nationalfeiertag zu feiern, wird ein erstes Treffen für einen Workshop abgehalten. Dieser geht mit in die Note ein, so dass wir doch etwas Zeit dafür verwenden wollen. 04.10. Heute ist Party der International-Society im Universitätspub. 06.10. Wieder mal ein Ausflug, diesmal zu den Aran-Inseln. Mit einem altertümlichen Bus gehts zum Hafen, danach mit einem Schiff auf die Hauptinsel. Dort leihen wir uns Fahrräder aus. Da ich einer der wenigen bin, die auch in Galway Fahrrad fahren, habe ich weniger Probleme. Am Abend sind alle so geschafft, dass es nicht wie sonst üblich noch in den Pub geht. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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