| Lehramtsreferendariat Beruliche Schulen Bayern 06/08 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Nun schreibe ich diesen Text etwa vier Monate nach dem offiziellen Ende meines Referendariats, damit hoffe ich einerseits genügend Abstand gefunden zu haben, um einigermaßen objektiv berichten zu können, andererseits zeitlich noch nicht so weg zu sein, um noch aktuell zu berichten. Einen Text über das Referendariat zu schreiben, ist nicht ganz einfach, denn die Bandbreite des Erlebten ist enorm. Dass ich nach dem erfolgreichen Bestehen des zweiten Staatsexamens - und damit des Referendariats - zunächst nicht als Lehrer weiterarbeite, hat natürlich viel mit dem zu tun, was ich im Referendariat erlebt habe. Sicherlich ist aber auch die Erkenntnis in mir gereift, dass mich die mehr oder weniger Zwangsläufigkeit des weiteren Lebens gerade durch eine Verbeamtung abgeschreckt hat. Aufgrund von mehr oder weniger großen Zwängen von Außerhalb vielleicht einmal einen Job zu machen, der einem keine Freude mehr bereitet, ist nicht die Situation, in der ich einmal stecken möchte. Das Referendariat für das Lehramt an Beruflichen Schulen läuft in Bayern zwei Jahre. Das erste Jahr wird an einer Seminarschule verbracht, das darauffolgende an einer Einsatzschule. Im ersten Jahr war ich an der Staatlichen Berufsschule Kempten II, der eine Wirtschaftsschule angeschlossen ist. Das zweite Jahr verbrachte ich an der Staatlichen Berufsschule in Eichstätt. Die Arbeit mit den Jugendlichen dort hat mir sehr viel Freude bereitet, daher hier auch der Dank an alle meine ehemaligen Schülerinnen und Schüler. Es wäre absolut unfair gegenüber diesen Schulen und den Lehrkräften, über dieses Medium direkte Kritik zu üben, daher werde ich mich auf die generelle Kritik gegenüber dem System Referendariat" beschränken. Ich zähle recht wahllos einige Punkte auf, die mir in den Sinn gekommen sind: Bevor ich überhaupt mit dem Referendariat anfing, stand ein Termin beim örtlichen Gesundheitsamt an. Dort wurde geprüft, ob ich überhaupt als Lehrer anfangen durfte. Mir wurde erhöhter Blutdruck und Übergewicht attetstiert. Nach dem Referendariat hätte ich - wenn ich weiter als Lehrer gearbeitet hätte - wieder dort antanzen dürfen. Kollegen, für die ein anderes Gesundheitsamt zuständig ist, hatten weniger Probleme. Denn da liegt das Problem: Das Kultusministerium lässt zwar alle Lehrer auf ihre gesundheitliche Eignung hin prüfen, den zuständigen Gesundheitsämtern gibt man aber keine Vorgaben. So entscheidet jedes Gesundheitsamt nach gut Dünken. Insoweit hätte ich wohl kurzfristig meinen Wohnort gewechselt, falls ich dort nochmals hätte vorsprechen müssen. Gemäß manchen Schulaufwandsträgern scheinen Lehrer ohne Stifte, Kopien, Folien und Internet auszukommen. Jeder normale" Arbeitgeber stellt das Basismaterial für die Ausübung des Berufs zur Verfügung, bei einigen Schulaufwandsträgern scheint das nicht der Fall zu sein. Dort wird nicht nur die Kopieanzahl begrenzt, sondern ein Lehrer soll z. B. auch mit fünf Folien pro Halbjahr auskommen. Die Ausrede, dass man selbstangeschafftes Material ja von der Steuer absetzen kann, zieht bei vielen Referendaren nicht, da das Gehalt niedrig ist. Von einigen Seminarlehrern weiß praktisch jeder, dass sie für diesen Job nicht geeignet sind. Trotzdem scheint es im Beamtensystem unmöglich zu sein, diese von dort wegzubekommen. So fürchten sich jedes Jahr erneut Referendariatsanfänger, die Zuweisung zu bestimmten Seminarschulen zu erhalten. Von dieser Kritik möchte ich allerdings meine persönlich Seminarlehrerin klar ausnehmen! Dass die Zuweisung zu Seminar- und Einsatzschulen so spät bekanntgegeben wird, ist für die Lebensplanung vor, während und nach dem Referendariat äußerst schwierig. Obwohl die Wünsche für Schulen bereits im April abgegeben werden, ist es den entscheidenden Stellen meist erst Ende Juli möglich, die Orte zu benennen. Hektische Wohnungssuche und ein schnell organisierter Umzug quer durch Bayern sind die Folge. Mein erster Tag mit Vereidigung war Mitte September, mein erstes Gehalt kam im Dezember. Wie Referendare mit Familien diese Durststrecke aushalten sollen, zumal meist im direkten Vorlauf das Studium stand, wurde einem nicht erzählt. Allg. wurde wenig über Geld und andere Ansprüche gesprochen, daher habe ich nur durch Zufall erfahren, dass ich Anspruch auf einen Teil des Geldes habe, das ich durch einen selbstverschuldeten Unfall auf dem Weg von der Arbeit nach Hause ausgeben musste. Wer, warum und wie Anspruch auf Trennungsgeld hat, wurde übrigens auch in keinster Weise vom Seminar geklärt. Die Fahrten zu den Seminaren wurden nicht wie normale Dienstreisen vergütet, sondern geringer. Dass man auch bei Anreise über 100 Kilometer keinen ICE benutzen durfte bzw. nicht erstattet bekam, war leider auch so festgelegt. So war es nicht unüblich, dass ich mich um 5:00 Uhr aus dem Bett rollte, um pünktlich um 9:00 Uhr zum Seminar in München zu sein. Prüfungsleistung im Referendariat ist u. a. eine Hausarbeit über etwa 20 Seiten. Ich halte diese Arbeit für völlig überflüssig, wissenschaftliche Selbstreflektion wurde von uns im Studium genug gefordert und ging dort ebenfalls in das Notenbild ein. Als Referendar hat man genügend zu tun, eine ausführliche wissenschaftliche Arbeit - die zumal in ihrer Gewichtung zu 1/13 in das zweite Staatsexamen einfließt - bringt überhaupt nichts. In Bayern ist der Einstieg in das Referendariat zum Halbjahr möglich, allerdings leider nicht bei den Beruflichen Schulen. Gerade Lehramtsstudenten aus diesen Fächern haben aber auch die Möglichkeit, nach dem Studium andere Berufe aufzunehmen. Wenn man möglicherweise fast ein ganzes Jahr auf den Anfang des Referendariats warten muss, springen viele ab und suchen sich eine andere Arbeit. Es gibt genügend Erstfachseminare in Bayern, warum nicht einige davon zum Halbjahr beginnen lassen? Spätestens im zweiten Referendariatsjahr muss jeder an der Berufsschule einige Stunden Deutsch unterrichten, auch die ohne Lehrbefähigung. Statt eines Studiums reichen dann ein paar Seminartermine, um uns zu perfekten Deutschlehrern zu machen. Was Ironie ist, lernt man dann übrigens auch... Anstatt im Studium gezielt für Deutsch als Lehramt zu werben, werden einfach alle zum Deutschunterricht gezwungen, ob man will oder nicht, ob man dazu geeignet ist oder nicht. Was dabei im Endeffekt rauskommt, kann sich jeder vorstellen. Das schlechte Image des Berufsschulunterrichts hat auch mit sowas zu tun! Am Ende des Referendariats gab es zwei schriftliche Bewertung über mich, aus denen ich sicherlich hätte lernen können -ich dürfte sie nur leider nicht sehen. Aus diesen beiden Schriftstücken wurde dann eines vom Seminarleiter gebastelt, das hätte man sich dann am Ende des Referendariats in München mal anschauen können. Da ist aber meines Wissens niemand mehr hingefahren. Ansonsten gab es zwar immer wieder Feedback, da wurde einem aber mehr oder weniger immer nur erzählt, was verbessert werden muss oder die Fehler thematisiert. Eine Personalführung, die Lehrer für ihre eigene berufliche Zukunft fit macht, sähe anders aus. Anstatt immer nur das Schlechte zu betonen, hätte ein Ausbau der Stärken jedes Einzelnen viel mehr Gewicht haben müssen. Schwächen können nicht immer behoben werden, sie können aber durch das gezielte Verstärken der eigenen positiven Eigenschaften mehr als wett gemacht werden. Am Ende erhält man seine Noten, Monate später sein Zeugnis und darf sich dann Lehramtsassessor nennen. Neben dem Titel erhält man aber auch eine Platzziffer. Diese ist für den weiteren Verlauf der Beamtenkarriere sehr entscheidend. So ist klar, dass ich mit meiner Platzziffer nie Schulleiter werden kann, selbst wenn ich in den kommenden Jahren eine überdurchschnittliche Leistung zeigen würde. Die Noten des Studiums und des Referendariats sind maßgebliche Faktoren für den weiteren beruflichen Weg eines Lehrers, nicht die gezeigte Leistung danach. Und dann gibt es natürlich noch besondere Schmankerl, wie z. B. die Regelung, dass man im zweiten Jahr die 12. oder 13. Stunde nicht zusätzlich vergütet bekommt, wenn man aber mind. 14 Wochenstunden arbeitet, wiederum alle zusätzlichen Stunden. Oder die Regelung, dass man Schüler während dem Unterricht möglichst nie alleine lassen, beim Ausflug in eine Großstadt aber altergemäß ohne Aufsicht umherziehen lassen darf. Wer mit einer 10. Klasse unterwegs ist, braucht übrigens 2 Lehrer, ab der 11. nur noch einen. Leider bekam ich im zweiten Jahr nie eine schriftliche Reisekostenabrechnung, angeblich, weil ich nicht im System war. Das wäre kein Problem gewesen, hätte ich diese Abrechnung nicht wiederum gebraucht, um meinen Unfall (s. o.) zu dokumentieren. So ging es dann einige Monate, bis ich eine Reisekostenabrechnung auf Herrn Mustermann hatte, um das einer anderen Abrechnungsstelle der gleichen Behörde vorlegen zu können, um einen Teil meiner Unkosten durch den Unfall zu bekommen. Meine letzte Überweisung der Reisekosten habe ich übrigens am 14.11.08 bekommen, nachdem ich am 25.07.08 meine letzte Dienstreise hatte und gleich darauf den Antrag abgab. So, genug gestänkert. Das Referendariat ist überstanden, ich habe einen neuen Titel eingeheimst und kann jederzeit wieder als Lehrer anfangen. Derzeit genieße ich es aber, die Wochenenden wirklich frei zu haben und keine Arbeit mit nach Hause zu bringen, sondern dort wirklich abschalten zu können. Viele Schüler habe ich allerdings ins Herz geschlossen, außerdem bin ich im Referendariat auch oftmals positiv überrascht worden, so wurde ich nach dem Referendariat in der Rentenversicherung vom Freistaat nachversichert, ohne dass mir dadurch Kosten entstanden. Vorläufiges Fazit: Das Referendariat war eine spannende Zeit, selten wirklich zufriedenstellend, aber gut für die Charakterbildung. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Diese Seite ist Teil eines Framesets. Wenn Sie links kein Inhaltsverzeichnis sehen, klicken Sie HIER! | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||